Nix is es mit Schwimmen

Nix is es mit Schwimmen

2016-10-04 ELIS ON TOUR SRI LANKA 0

The Doctor war wieder hier. Der Mann hat scheinbar keinen Namen, Indika nennt ihn, durchaus erfürchtig, nur “The Doctor”. Mir solls recht sein. Ehre wem Ehre gebührt.
Mit einem kurzen Pulstest hat er befriedigt festgestellt, dass die Medizin wirkt.
Das kann ich bestätigen. Ich fühle mich schon viel fröhlicher, und das permanente pointless movie in meinem Kopf hab ich auch schon abgestellt. Grübeln ist out, … eindeutig Schnee von gestern.

Ob das jetzt die Medizin ist, oder die geniale Massage von Indika kann ich zwar nicht sagen, wahrscheinlich wird es die Mischung aus Beidem sein.
Indika hat mich ja schon ziemlich weich geklopft ☺ im Nacken. Ich absolviere mittlerweile jeden Tag meine 500 Meter im Wasser – in einem Stück, nicht in Summe des Ganzen, da sind es natürlich einige Meter mehr (ist aber trotzdem nicht so viel wie es auf den ersten Blick scheint. Das sind 20 Längen im Steyrer Stadtbad), und merke, dass ich für eine Beckenlänge nur mehr 2/3 der Bewegungen gegenüber dem Anfang brauche. Alles eine Sache der Mukis natürlich ☺. Und das alles ohne Schmerzen!!! Danke du begnadeter Masseur!!!

Morgen ist allerdings das Schwimmen verboten. Nicht nur in der Früh, sondern den ganzen Tag. Wie soll ich das nur aushalten? Nicht mal duschen darf ich mich am Morgen, ja ein bisserl Wasser ist genehmigt, aber keine Seife, und auf keinen Fall die Haare waschen.

Morgen ist Purgative day, der “Alles-Muss-Raus”-Tag
Dafür muss ich schon um 6:30 downstairs bereit sein für meine neue Medizin.
Indika sagt, er macht das schon seit seiner Kindheit jedes Jahr einmal. Dann wird es ja wohl nicht ganz so schlimm werden …

Während ich hier auf meiner Liege throne, höre ich Indika fleißig in der Küche mit dem Mörser klopfen. Vorher war er auf die Kokospalme geklettert und hat mal eine ganzen “Traube” Kokosnüsse geerntet. 6 sind es genaugenommen. Er schneidet einen Deckel ab, gibt ein bisserl Saft raus, vermörsert das Ganze mit Kräutern und etwas weißem Kandis, füllt es in die Kokosnüsse, gibt den Deckel wieder drauf. Deckt mit einem Baumwolltuch zu und lässt es über Nacht draußen stehen. Am Morgen gibt er wieder etwas Flüssigkeit raus, vermischt es mit einem bestimmten Pulver und gibt es wieder zurück in die Kokosnuss, verrührt es, und dann muss er es filtern, wenn ich alles richtig verstanden habe, und um 6:30 bekomme ich meine erste köstliche Medizin.

Und ich darf wirklich nicht schwimmen vorher.
Heute war ich ja von 4:30 bis 5:30 wieder im Pool. Wie wunderbar, wenn alles noch absolut still ist … dann ein einsamer verlorener Gongschlag, der vermutlich die Mönchen zur Eile mahnt … schon hört man von irgendwo das erste zarte Vogelgezwitscher, und nach und nach gibt es immer mehr Nachahmer, bis auf der anderen Seite des Sees nun auch der letzte Mönch zum morgendlichen Singsang munter geworden ist und mit den Vögeln gemeinsam den Tag begrüßt.
Und ich ziehe währenddessen lautlos meine Längen … faszinierend, wie ruhig das Schwimmen sein kann …

Das gibt es also erst übermorgen wieder.
Bin ich eben am Abend noch mal ausgiebig im Pool gewesen. Der Sternenhimmel ist ja meist von einigen Wolken bedeckt, aber der Orion schaut immer wachsam auf mich herab und im Notafall würde er mich sicher mit seinem Schwert verteidigen. Auch die eitle Kassiopeia hält sich allabendlich gekonnt aus dem Wolkenspiel heraus, wahrscheinlich um ihr Spiegelbild uneingeschränkt im “großen” See bewundern zu können. Einzig den großen Wagen habe ich noch nicht gesehen, aber das macht nichts, ich fahr eh noch nicht heim ☺.

Ach ja, “The Doctor” ist immer noch hier. Während ich schon meine Längen im angenehm warmen Wasser ziehe, hat er noch mit Indika geschwatzt.
Und wie er dann gegangen ist … da muss er am Pool vorbei … hat es ihn geschüttelt, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass man freiwillig um diese Zeit in das schon “so kalte” Wasser steigt.
Indika hat ihm dann meine Geschichte von der Steyr erzählt.
Ich glaube, jetzt bin ich in seinen Olymp aufgestiegen ☺.

Auf jeden Fall hat The Doctor gesagt, dass insbesondere das morgendich Schwimmen sehr gesund für einen klaren Verstand ist, und das kalte Wasser ist natürlich sehr gut für die Durchblutung.

Auch das kann ich bestätigen.
Nach meinem Unfall, nach ein paar Wochen Krankenhaus und Kuraufenthalt hätte ich ja noch weiter Marcoumar nehmen sollen, dieses “Wundermittel”, bei dem man gleich noch eine Tablette dazu schlucken muss (hab den Namen vergessen), damit es den Magen nicht angreift …
Ich habe mir aber damals im Jänner ganz fest vorgenommen, dass ich ab Juni ganz sicher kein Marcoumar & Co mehr nehme.
Ich habe gleichzeitig angefangen, jeden Tag gegen 5 Uhr früh in die Steyr zu gehen. Im Winter nur kurz eintauchen und wieder raus, mit zunehmender Wärme habe ich mehr und mehr zu schwimmen begonnen. Ich habe mich immer wohler und wohler gefühlt. Und ab Juni habe ich wirklich absolut keine Medizin mehr genommen – und lebe noch immer. Ich bin wohl ein medizinisches Wunder ☺.

 

EIN NEUER TAG, bereit für die “SCHOCKTHERAPIE”

Pünktlich um 6:30 ging es los. Zuerst habe ich ein Glas bittere gelbgrüne Flüssigkeit bekommen. Die musste ich in einem Zug austrinken, nicht sprechen dabei und dann das Glas verkehrt auf den Teller stellen – das hat den Sinn, dass Nichts wieder raufkommt. Ich habe nicht sofort verkehrt hingestellt, sondern war so froh, dass ich das Zeugs runter bekommen habe, und habe erleichtert das Glas niedergestellt, bis mir eingefallen ist, es soll verkehrt stehen, also habe ich es halt umgedreht.
Das ist also mal erledigt!

Jetzt gibt es die bearbeitete Kokosflüssigkeit, die bei Indika immer so klingt wie Gincoconut, aber ich kann schwören, Alkohol ist da sicher keiner dabei!
Ein Glas, noch ein Glas. Jetzt darf ich raufgehen. In einer halben Stunde wird Indika kommen und mir noch ein Glas einschenken. Wieso will er raufkommen, ich mein, das Einschenken kann ich mir ja selber machen, wo ich mir ja ohnehin den Krug selber mit nach oben nehmen sollte ???

Also, das ist mir auch noch nicht passiert, dass es mir beim Stiege raufgehen derart die Schweißperlen hergetrieben hat, nicht mal in den heißen Mittagsstunden …
Hab´s mir auf meiner Liege gemütlich gemacht.
Für eine knappe halbe Minute. Wow, was ist mit meinem Magen los?
Hilfe, das kommt ja alles retour! Das ist doch sicher viel zu früh?!
Schnell Indika gefragt, ob das schon OK ist … Yeeees
Mein Sprint ins Bad war olympiareif!
Verd… , da ist jetzt sicher das Glas schuld, das ich nicht umgedreht hatte … ☺ (aber ich will solche über Generationen entstandenen und gewachsenen Traditionen und Meinungen sicher nicht ins Lächerliche ziehen. Da hab ich in Wirklichkeit viel zu viel Respekt davor.)

Wie gut, dass ich mich nicht vorher dem Druck des Wassers ausgesetzt habe. Also warum das Schwimmen am Morgen nicht erlaubt war, weiß ich nun schon mal.

Ich fühle mich so schwach und lustlos. Zu müde für irgendwas.

Das Dumme ist, ich bin noch nicht fertig. In meinem Bauch rumort es …

Beleave me, I had better days!

Es ist noch nicht mal 8 Uhr, und der Tag scheint glaufen …

Schön langsam wird es besser.
Ich lass mich ja ohnehin nicht so schnell unterkriegen. Wenn ich schon den Tag in der Nähe des Badezimmers verbringen soll, dann stilvoll bitte ☺

Habe mir ein paar Schnulzen reingeworfen … schließlich gehört ja meine Bose-Box auch wieder mal ordentlich ausgereizt … hab mir meinen Polster zur Brust genommen und einen „kessen“ English-Waltz auf meiner großen Terrasse hingelegt.
Natürlich habe ich vorher schon dafür gesorgt, das der Weg ins Badezimmer frei ist, und zur Sicherheit auch die Doppeltüre aufgemacht, denn die viele Bewegung verbessert meine Situation keinesfalls, aber wenigstens ist es schneller vorbei ☺

Yeah, ist das cool …

Ooooh „Let´s forget about tomorrow“ (ich liebe es) aus „Der gelbe Rolls Royce“, was war das für ein schöner Film, zB die Szene mit Shirley MacLean und Alain Delon … und den jungen Omar Sharif hätte seinerzeit sicher auch keine vernünftige Frau von der Bettkante gestoßen …
Heiliger Gott, bin ich wirklich schon so alt … – Erspart euch die Antwort!!!

Damned … Indika!!! … Was für eine Droge hast du mir da gegeben???

Uh, der Hubert von Goisern „Es ist wahr“ … muss leider tanzen …

Oje, die Staff hat schon ihre Gaudi … was soll´s, werdens nicht zum ersten Mal erleben, sowas. Und wenn schon, dann war es eh schon höchste Zeit!!!

„Something is happeing to me“ (Herman´s Hermits) … auf geht´s Mädel … Ei-jei-jei-jei, und auf englisch I yi-yi-yi

„I Did It My Way“ … na no na ned

„Lonely Is a Man Without Love“ – mein lieber Engelbert, glaubst wirklich, dass es uns Frauen da besser geht ???

„Sog, Es wird Später“ – na Steffi, jetzt wollen ma net übertreiben, i bin ja eh nu bis 3. Dezember da …

“Three Steps to Heaven” … so weit ist es ja zum Glück noch nicht, aber runter geh ich heute auch nicht mehr, sonst hüpf ich vor Übermut noch in den Pool …

Whatever the right name of this medicine is … I like it!!!

Ich werde besser nicht mehr weiter berichten … ich weiß nur, auf Ayahuasca im nächsten Jahr bin ich bestens vorbereitet ☺. Falls ich das überhaupt noch haben will …

 

So, nun habe ich eine ungefähre Vorstellung, wie sich Drogen anfühlen (für einen kurzen Moment sogar sehr “geil”). Wenn man davon ausgeht, dass jede Medizin eine Droge ist, dann war es auch eine, aber eine absolut legale, und vor allem im Gegensatz zu unseren Pillen ohne Nebenwirkungen ☺, zumindest keine nachhaltigen negativen Nebenwirkungen.
Ich kann nur sagen, irgendwann wurde ich so unglaublich müde, dass ich tief und fest eingeschlafen bin, und erst kurz davor munter wurde, als Indika nach mir sehen wollte und mich zum Mittagessen geholt hat.
Bin dann ein wenig durch den Garten gegangen, aber ich fühle mich viel zu schwach, um irgend was zu machen.

Seltsamer Zufall: Bin 2mal auf meinem Balkon bis ganz vor gegangen, was ich wirklich selten mache – schau mir den Garten lieber von unten an. Jedes Mal ist der Mungo von links komend an den Enten vorbei gestreift und nach rechts abgehauen, als ich mich bemerkbar machte. Hab ihn immer am selben Platz gesehen. Wie ein de ja vuis. Da überlegt man dann einen Moment direkt, ob das wirklich real ist … vielleicht auch nicht …